Autonomes Fahren im Reisemobil

Das Zeitalter des Passagiers – Autonomes Fahren im Reisemobil

Gerade, wenn man mit einem Reisemobil unterwegs ist, ist häufig der Weg das Ziel. Man genießt ganz bewusst die Fahrt, den Komfort, die Möglichkeit jederzeit irgendwo anhalten zu können, um zu verweilen, wo sich ein Verweilen lohnt. Andere teilen diese Meinung nicht. Sie reisen gerne mit dem Wohnmobil, jedoch würden sie sich am liebsten samt Gefährt und Ausrüstung direkt an den Urlaubsort beamen, ohne vorher noch stundenlang zu fahren oder gar im Stau zu stehen. 

Hat autonomes Fahren in der Freizeitfahrzeugbranche eine Zukunft? Ist es erstrebens- ja wünschenswert? Man könnte einsteigen, sich entspannt zurücklehnen, schlafen, die Landschaft vorbeirauschen sehen und wäre unvermittelt und stressfrei am Urlaubsort angekommen. In Zeiten, in denen erste autonome Fahrzeuge im Alltagsverkehr getestet werden, ist dies durchaus ein relevantes Thema. So relevant, dass die Erwin Hymer Group bereits erste autonome Reisemobile testet. So war kürzlich auf dem Caravan Salon in Düsseldorf ein aktuelles Forschungsprojekt der Erwin Hymer Group zu sehen. Gezeigt wurde eine Studie der nordamerikanischen Schwestermarke Roadtrek, die sich mit diesem Thema befasst. Entwicklungsteams der Erwin Hymer Group Nordamerika forschen derzeit intensiv im Bereich des autonomen Fahrens. Längst sind autonome Reisemobile keine Zukunftsvision mehr. Tatsächlich soll es erste vollautonome Wohnmobile bereits ab 2030 geben. Unlängst erhielt die Erwin Hymer Group von der kanadischen Regierung die Erlaubnis, autonom fahrende Reisemobile im öffentlichen Straßenverkehr zu testen. Zunächst ging es auf die Teststrecke, schließlich tatsächlich in den Straßenverkehr. Aktuell kann ein autonomes Reisemobil selbständig fahren, der Fahrer kann jedoch jederzeit eingreifen.
Grundsätzlich gibt es fünf Autonomie-Stufen. Drei von ihnen haben bereits heute Marktreife. Hierzu gehören das Fahren mit Assistenzstufen wie Abstands-, Spurhalte- und Stau-Assistent, sowie erste Autopilot-Funktionen wie zum Beispiel das automatische Einparken. Technologien der Stufen vier und fünf befinden sich in der Testphase. Dabei beinhaltet Stufe vier das Fahren mit Autopilot auf Autobahnen sowie den Fahrgasttransport in vollautomatisierten Stadtbussen. In Stufe fünf gibt der Fahrer lediglich das Ziel vor, gefahren wird automatisch, wobei das System in der Lage ist, sämtliche Verkehrssituationen selbsttätig zu meistern. Der Fahrer wird quasi nicht mehr benötigt. Fahrzeuge der Marke Roadtrek können bereits Teilbereiche der Stufen vier und fünf abdecken, da sie einzelne Fahrmanöver selbständig ausführen. 

Jörg Reithmeier, Vorstandsmitglied der Erwin Hymer Group, erklärt, dass die Marke Hymer auch in Sachen „Autonomes Fahren“ den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung neuer Technologien stellt. Das Autonome Fahren, so Reithmeier, schenkt dem Menschen Zeit, die er sinnvoll anderweitig nutzen kann. Autonomes Reisen trägt zur Entschleunigung bei. So kann die Erholung bereits mit dem Einstieg in das Freizeitfahrzeug beginnen.

Möglich wird autonomes Fahren dadurch, dass das Fahrzeug seine Umgebung erkennt und in der Lage ist, diese zu verarbeiten. Forschungsziel ist es, Daten unterschiedlicher Systeme wie Kamera, Sensoren, Radar, Nachtsicht und Karten zu kombinieren und über einen Cloud-basierten Abgleich in Echtzeit zu verarbeiten. Umgesetzt wird das Forschungsprojekt „Autonomes Fahren“ in Zusammenarbeit mit dem Erwin Hymer Group Innovation Lab, einer offenen Netzwerk-Plattform für Innovation. Durch die Zusammenarbeit mit der Erwin Hymer Group Nordamerika treffen langjährige Entwicklungs- und Ingenieurskompetenz mit der Forschungsplattform zusammen, so dass Kompetenzen effizient genutzt werden können, um ein bestmögliches Forschungsergebnis zu erzielen.  So soll das Reisemobil künftig Chauffeur sein und die Art wie Menschen reisen und mobilen Wohnraum nutzen nachhaltig verändern. Dies markiert den Beginn eines neuen Zeitalters, dem Zeitalter des Passagiers.